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Steinhart, beliebt und berühmt: Das Willisauer Ringli.

Berühmte Willisauer Ringli

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Michael Renggli, Inhaber Café Amrein Chocolatier

Die Morgensonne spiegelt sich im goldenen Schriftzug der traditionsreichen Confiserie Amrein. In diesem schmucken Haus inmitten der Altstadt von Willisau werden die berühmten Willisauer Ringli hergestellt. Dort, wo das Kultgebäck im Jahre 1850 erstmals gewerbsmässig produziert wurde.

«Wir verwenden noch immer dieselben Zutaten wie damals: Mehl, Zucker und Honig», erklärt Michael Renggli. Bereits in der vierten Generation stellt er das Gebäck nach dem ursprünglichen, bald 170-jährigen Rezept her. Den typischen zitronigen Geschmack erhält das Ringli, wie das Gebäck von den Einheimischen liebevoll genannt wird, durch ein ätherisches Öl, das aus Schalen von Zitronen und Orangen gewonnen wird. Die Gewürze jedoch seien geheim. «Die Mischung kenne nur ich», sagt Renggli mit einem Schmunzeln.

Sorgfältiges Abwägen

Beim Betreten der Backstube riecht es herrlich nach frischem Gebäck. Michael Renggli gibt die erlesenen Zutaten in die Knetmaschine und stellt das Rührwerk an. Die Luftfeuchtigkeit ist an diesem warmen Spätsommertag hoch, was der erfahrene Confiseur mit etwas zusätzlichem Mehl ausgleicht. Der Teig müsse immer dieselbe Festigkeit aufweisen, erklärt Renggli. «Ist der Teig zu weich, lassen sich die Ringli nicht formen, ist er zu zäh, lässt er sich nicht verarbeiten.»

‹Ist der Teig zu weich, lassen sich die Ringli nicht formen, ist er zu zäh, lässt er sich nicht verarbeiten.›

Wie anno dazumal

Inzwischen setzt Michael Renggli die Ringli-Maschine in Betrieb. Über einen Trichter fliesst der Teig durch runde Öffnungen hindurch, die den Ringli ihre typische Form geben. Ein dünner Klavierdraht durchtrennt die Teigröhrchen im Takt. Und so reiht die altehrwürdige Maschine rhythmisch und zuverlässig helle Teigringli auf die Backbleche – seit bald 90 Jahren notabene. Anschliessend besprüht Michael Renggli die Ringli mit Wasser. «Damit die Kristallisation des Zuckers nicht überhandnimmt und damit die typischen weissen Punkte und der Glanz entstehen.» Einst seien die Bleche in den Stadtbrunnen getaucht worden, später habe in der Backstube ein Brunnentrog gestanden, berichtet Renggli. Es ist nicht zu überhören, wie viel Herzblut in seinen Erzählungen mitschwingt. Nun werden die Ringli bei 180 Grad während 30 Minuten im Umluftofen gebacken. Langsam breitet sich in der Backstube ein herrlich würziger Zitrusduft aus.

Willisauer Ringli in der Produktion
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Die Willisauer Ringli werden bei 180° während 30 Minuten gebacken / Foto: Petra Hasler

Willisauer Ringli frisch aus dem Ofen
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Die Willisauer Ringli werden bei 180° während 30 Minuten gebacken / Foto: Petra Hasler

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Made in Willisau

Willisauer Ringli dürfen nur in Willisau hergestellt werden. Dies besagt ein Gerichtsbeschluss aus den 1940er Jahren. Früher wurde das Traditionsgebäck von zahlreichen Bäckern hergestellt, heute produzieren es nur noch wenige, allen voran Hug. Die bekannte Backwarenherstellerin sei aber keine Konkurrentin, erklärt Renggli. «Im Gegenteil, Hug ist für uns ein Glücksfall». Mit ihrem professionellen Marketing mache Hug das Willisauer Ringli über die Landesgrenzen hinaus bekannt. «Das kommt auch uns zugute», betont Renggli. Von Einheimischen alleine könne sein Betrieb nämlich nicht leben. Insbesondere für Touristen aus der Schweiz sei das Willisauer Ringli ein Anziehungspunkt. So machten viele Carreisen bei ihm einen Zwischenhalt. «Ich gäbe es niemals her», sagt Michael Renggli stolz und wirft mir einen verschmitzten Seitenblick zu.

‹Die Willisauer Ringli liefern sehr schnell Energie, lassen sich auch im Hosensack einfach mitnehmen und zudem lange aufbewahren.›

Ursprüngliche Vorzüge

Neben dem unverkennbaren Geschmack hat das Traditionsgebäck noch andere Vorzüge, wie Renggli sagt: «Es liefert sehr schnell Energie, lässt sich auch im Hosensack einfach mitnehmen und zudem lange aufbewahren.» Deshalb gibt es das Ringli bei der Confiserie Amrein seit kurzem auch in einer Dose, die an einen Energiedrink erinnert. Geschmackliche Varianten jedoch sucht man vergebens. «Ich werde das Willisauer Ringli nie verändern, dann nämlich würde es seine Eigenheit verlieren», sagt der sympathische Confiseur entschieden.

Hart, aber köstlich

Welchen Beruf er dereinst wählen würde, sei für ihn immer klar gewesen, sagt Renggli. «Ich bin quasi in der Backstube aufgewachsen.» Die Kreativität seines Berufes begeistere ihn noch heute. Ob er denn das Ringli noch immer möge? Er nickt mit einem strahlenden Lächeln. Langsam kühlen die frisch gebackenen Guetzli ab. Ich kann nicht widerstehen. Doch noch bevor ich zubeissen kann, ruft Renggli: «Halt! Das geht so!» Er legt ein Ringli in die rechte Handfläche und trifft es mit dem linken Ellenbogen genau in der Mitte. Vier Stücke liegen in seiner Hand. «Die lässt man nun langsam auf der Zunge vergehen, damit sich das Aroma entfalten kann». Dieses Wissen hätten natürlich nicht alle, räumt er ein. So gäbe es auch immer mal wieder Reklamationen wegen der harten Konsistenz. Ich versuche, es ihm nachzumachen. Vergeblich. Das Ringli bleibt ganz. Das Zergehenlassen auf der Zunge hingegen gelingt mir hervorragend. Einfach köstlich, diese Ringli. Und nun wird mir auch klar, warum sie so berühmt geworden sind. 

Text von Petra Hasler
 

Standort und Kontakt

Café AMREIN Chocolatier
Hauptgasse 24
6130 Willisau
+41 (0)41 970 11 14
amreinwillisauerringli.ch
www.willisauerringli.ch
HUG AG
Menznauerstrasse 20
6130 Willisau
+41 (0)41 970 10 22
ringliladenhug-luzern.ch
www.ringliladen.ch