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  • 21.12.2020

Drei Tipps zum Entschleunigen? Klingt wie ein Lebensratgeber? Ist es aber nicht. Heute erzähle ich euch von meinem wunderbar gemütlichen Nachmittag auf der Rigi. Inklusive Pferdekutschenfahrt.

Der Fensterrahmen könnte auch ein Bilderrahmen sein. Bereits wenige Minuten nach der Abfahrt der Zahnradbahn in Vitznau greift das Paar neben mir zum Mobiltelefon für das erste Selfie. Hinter der Scheibe die Idylle: der Vierwaldstättersee und die Schneeberge. Der See hängt derart schief im «Bilderrahmen», dass er eigentlich auslaufen müsste. Gemächlich ruckeln wir den Berg hinauf, mal durch Wald, mal vorbei an Eiszapfen. Zuoberst am Steilhang krallen sich die Bäume fest, um nicht in die Tiefe zu fallen.

  • Mit dem Alpchäs-Pass wird die Wanderung zum doppelten Genuss: Er verbindet Naturerlebnis mit Alpkäse-Degustation.
  • Der Alpchäs-Pass (CHF 16.00) ist jeweils im Sommer, von ca. Anfang/Mitte Juni bis Mitte/Ende September erhältlich. Im Winter befinden sich die Älplerinnen und Älpler mit ihren Tieren im Tal.
  • Der Alpchäs-Pass ist an den Kassen der Standseilbahn, der Luftseilbahn, im Stoos Shop sowie an weiteren Stellen erhältlich.
  • Der Alpchäsweg kann auch ohne Alpchäs-Pass begangen werden.
  • Informiere dich vor der Wanderung in den Betriebsinformationen unter stoos.ch/betrieb, welche Degustationsstationen geöffnet sind.
  • Plane genügend Zeit ein, damit unterwegs auch Pausen möglich sind.
  • Wer nach der Wanderung noch Energie hat, kann mit den Sesselbahnen zusätzlich einen Ausflug auf den Fronalpstock machen. Die Aussicht vom Gipfel ist atemberaubend.

In Rigi Kaltbad steige ich aus. Dort erwarten mich Cello und Lara, zwei kräftige Pferde. Kutscher Demir Boychev begrüsst mich mit einem breiten Lachen und hilft mir in die Kutsche. Eingepackt mit Fell und Decke bin ich bereit, zurückzulehnen und nichts zu tun.

Zum munteren Klang des Schellengurts der zehnjährigen Pferde gleiten wir durch die Aussicht. Den See zu erkennen ist leicht: Das ist der Vierwaldstättersee. Auch den Pilatus und das Stanserhorn kann ich einfach benennen. Die vielen weiter entfernt liegenden Bergspitzen? Ist ihr Name wichtig? Ist von Bedeutung, was ausserhalb meiner Kutsche passiert? Ich drifte ab in eine Leichtigkeit und der Moment wird zur Ewigkeit.

Mit einer Kutschenfahrt der Hektik des Alltags entgleiten und sich der Langsamkeit hingeben.

Auch die grosse Rundfahrt hat mal ein Ende. Leider. Nach der Verabschiedung von Cello, Lara und Demir bin ich noch nicht bereit für das Tal-Leben. Ich entscheide mich für einen kurzen Abstecher zur Felsenkapelle. Die Kapelle ist ganz nett. Doch das Beeindruckende ist einmal mehr die Natur. Ich stehe in einer Art deckenlosen Kammer, hohe Felsblöcke bilden die Wände und aus einer Felsspalte fliesst unter Eiszapfen die Kaltbad-Quelle. Dieses Quellwasser war im 16. Jahrhundert das erste Wellnessangebot auf der Rigi. Um einiges spartanischer als das heutige Mineralbad und Spa.

Würde ich nun dem Winter-Spazierweg weiterhin folgen, käme ich zum Känzeli – einem der schönsten Aussichtspunkte der Rigi. Doch ich will mir das Panoramafinale noch aufsparen und fahre deshalb zuerst mit der Bahn nach Rigi Kulm. Dort beginnt der Winterwanderweg Rigi Klassiker, der zum zurück zur Bahnstation Rigi Kaltbad führt. Und hier lohnt sich nun die Zusatzschlaufe zum Aussichtspunkt Känzeli – versprochen.

Beim Abwärtsgehen liegen mir rund 60 Minuten der Vierwaldstättersee, Luzern und das Alpenpanorama zu Füssen. Das lässt mich sogar meine kalten Zehen vergessen.

Bei einem Höhenspaziergang einen neuen Blickpunkt einnehmen.

Manuela schreibt seit dem Jahr 2000 über den Kanton Schwyz. Zuerst als Journalistin, später für Schwyz Tourismus und nun als selbständige Content-Produzentin. Allein oder mit ihrer Familie sucht sie nach Neuem, Unentdecktem und Verstecktem zwischen dem Zürichsee, dem Vierwaldstättersee, der Spitze der Rigi und dem hintersten Winkel des Muotatals. Sie begegnet Menschen, die im lokalen Brauchtum verwurzelt sind, innovative Ideen leben oder die Schätze der Natur hegen. So viel Begeisterung für die Schwyzer Vielfalt und landschaftliche Schönheit kann man nicht für sich behalten, man muss sie teilen.

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© Manuela Gili
Manuela Gili
21. Dezember 2020