Masterpieces

Hans Erni (1909-2015): Aalfänger im Reisfeld, 1986

Hans Erni (1909-2015): Aalfänger im Reisfeld, 1986
CC-BY-ND Werke Hans Erni bei Hans Erni-Stiftung, Luzern

Im Jahre 1985 unternimmt der Luzerner Künstler Hans Erni auf Einladung des chinesischen Kultur-Ministeriums eine Studienreise in die Volksrepublik China, wo er nicht nur das Land erkundet, sondern sich auch mit der fernöstlichen Kunst beschäftigt.

Anlässlich der Reise schafft der Künstler zahlreiche Werke, in denen er sich die besonderen Materialien und Techniken dieser Malerei anverwandelt: Er schafft mit schwarzer Tusche auf dem dünnen Chinapapier Werke, die an chinesische Kalligraphie erinnern und malt Schilfhalme und Bambuswälder, deren Stangen und Blätter an Schriftzeichen erinnern. In der Folgezeit entstehen viele Gemälde, in denen Erni die Eindrücke der Reise festhält. Er stellt die beeindruckende Chinesische Mauer dar, die sich über Tausende von Kilometern in Windungen durch die Landschaft zieht, oder gibt Einblick in das alltägliche Leben der bäuerlichen Bevölkerung beim Pflügen oder Ernten. Eine besondere Szene hielt Erni mit der Darstellung von Aalfängern in einem Reisfeld fest. Zwei mit grossen Reusen bewehrte Männer mit hochgekrempelten Hosen und angeschnallten Körben für die Aufbewahrung des Fangs fischen im flachen Wasser eines überfluteten Felds nach Aalen. Die Reihen der Reispflanzen hat der Künstler summarisch mit breiten Farbstrich angegeben. Besonders eindrücklich dabei ist der Gegensatz zwischen den an gestisch abstrakte Malerei erinnernden Linien in pastosem Farbauftrag und der detailgenauen, gegenständlichen Darstellung der beiden Fischer. Einmal mehr verschwistert Erni in diesem Bild damit die abstrakte und die gegenständliche Kunst, die in seinem Schaffen nie ein sich ausschliessender Gegensatz gewesen sind. Die Hans Erni-Stiftung konnte dieses wichtige Bild jüngst für ihre Sammlung erwerben.