Im Jahr 1955 wurde der Stadt Luzern ein Ölgemälde geschenkt, das den Pianisten Carl Tausig zeigt. Der grosszügige Spender war der damals in Bern lebende Künstler Walther Müller-Roth. Wer das Bild gemalt hat, ist unklar. Vielleicht ist es das Werk des Stifters selbst, das er nach einer Fotografie geschaffen hat? Sicher ist jedoch, warum er es nach Luzern gab: Tausig und Wagner verbindet eine gemeinsame Geschichte. Im Jahr 1858 klopfte der damals 16-jährige Tausig an die Tür des Komponisten. Im Gepäck hatte er ein Empfehlungsschreiben von Franz Liszt, in dem es hiess: «Da sende ich Dir einen Wunderkerl, liebster Richard. Nimm ihn freundlich auf.»
Genau das tat Wagner, sodass er bald väterliche Gefühle für den Jungen entwickelte. Nach einem Jahr zog Tausig in die Welt hinaus. Die enge Verbindung zu Wagner blieb jedoch bestehen. Um 1863 organisierte Tausig Konzerte in Wien, die dem damals mittellosen Wagner halfen. Ausserdem fertigte er Transkriptionen und Klavierauszüge von Wagners Opern an und trug so zur Verbreitung seiner Musik in Europa bei. Auch nach der Zweitveröffentlichung von Wagners antisemitischem Pamphlet «Das Judenthum in der Musik» (1869) blieb er ihm freundschaftlich verbunden. Mehr über Tausigs Beziehung zu Wagner erfahren Sie in der aktuellen Sonderausstellung «Tabu Wagner? Jüdische Perspektiven».
